Billigangebote können teuer werden!

Zehn Prüfsteine für Leistungsversprechen

Billigangebote können teuer werden

Angebote für handwerkliche Leistungen sind Leistungsversprechen. Über eine gute Arbeit entscheidet schon die Auftragsvergabe. Wer Billigangeboten den Zuschlag gibt, um Kosten zu sparen, riskiert billige Arbeit. Das kann teuer werden. Schlechte Ausführungen und frühzeitig auftretende Schäden sind die Folgen.

Qualitätsarbeit ist ihren Preis wert

Diese Prüfsteine sollen Auftraggebern helfen, Angebote sorgfältig zu planen und zu prüfen.

Prüfen Sie Angebote sorgfältig Vergeben Sie Aufträge nicht voreilig an die unter dem Strich billigste Offerte. Ein Angebot ist zunächst ein Leistungsversprechen.

Kennen Sie die Leistungsfähigkeit der Anbieter? Wenn Sie den Anbieter nicht persönlich kennen, fragen Sie die örtliche Innung oder die Kreishandwerkerschaft, ob er als leistungsfähiger Meisterbetrieb bekannt ist. Ortsfremde Firmen sind häufig nicht mehr greifbar, wenn Mängel zu beseitigen sind.

Geben Sie einheitliche Leistungsbeschreibungen vor und prüfen Sie einzelnen Angebotspositionen. Fachlich genaue Leistungsbeschreibungen schließen Mißverständnisse in Angeboten aus. So können Sie Angebote besser prüfen und im einzelnen vergleichen.

Das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen. Nicht das billigste Angebot ist das beste. Prüfen Sie extrem teure und billige Offerten besonders kritisch. Als Richtlinie gilt: Das technisch, wirtschaftlich und gestalterisch annehmbarste Angebot erhält den Zuschlag ( Auszug aus § 25 VOB / A )

Klären Sie die Ursachen von Preisdifferenzen. Die häufigsten Ursachen: niedrige Werkstoffkosten durch minderwertiges Material, geringe Zeitansätze für Einfachausführungen mit unausbleiblichen Folgeschäden, niedrige Löhne für wenig qualifiziertes Personal. Überprüfen Sie die vertragsgerechte Ausführung der Arbeit.

Festpreis je Mengeneinheit. Üblich ist ein Einheitspreis je Quadratmeter, Meter oder Stück. Nur in Ausnahmefällen wird ein Stundenverrechnungspreis vereinbart.

Der Stundenverrechnungspreis.
Meisterbetriebe haben unterschiedliche Kosten und Stundenverrechnungspreise. Belegt und überprüfbar ist aber die durchschnittliche Zusammensetzung des Stundenverrechnungspreises: Lohn, Werkstoffen, Gemeinkosten, Sonderkosten, Betriebsergebnis.

Zu einem guten Angebot gehört mehr. Vergleichen Sie auch ausgeführte Objekte und den Service: technische, bauphysikalische und gestalterische Beratung. Dazu gehört die selbstverständliche Gewährleistung der Anbieter.

Planen Sie regelmäßige Instandsetzungsarbeiten.
Halten sie so Ihre Kosten in Grenzen. Rechtzeitige Instandsetzungsarbeiten sind preiswerter als die Behebung größerer Schäden. Planen Sie mit ihrem Meisterbetrieb einen Instandsetzungsrhythmus.

Qualitätsarbeit ist ihren Preis wert.
Planen und prüfen Sie die Angebote sorgfältig. Lassen sie sich ggfs. von einem Sachverständigen beraten. Sachverständige nennt Ihnen die Kreishandwerkerschaft. Bedenken Sie: Qualitätsarbeit ist letzlich billiger als ein „billiges Leistungsversprechen“.

Übernehme noch handwerkliche Nebenbeschäftigung

Vorsicht vor diesen verlockenden Angeboten! In den meisten Fällen verbirgt sich dahinter ein Schwarzarbeiter, der mit gesalzenen Stundenlöhnen aufwartet.

Was zunächst als preiswert gilt, stellt sich später vielfach als Pfuscharbeit heraus und der Auftraggeber hat das Nachsehen. Gewiss gibt es auch beim Handwerksbetrieb hier und da mal einen Grund zur Beanstandung. Nur hat man dann gegenüber dem Betrieb die gesetzliche Handhabe, die Beseitigung des Mangels oder Wandlung, Minderung der Vergütung oder gar Schadenersatz zu verlangen. Wie sieht es mit der Frage der Gewährleistung bei Schwarzarbeit aus, wer zahlt? Was geschieht im Unglücksfall? Die Berufsgenossenschaft dürfte hier am allerwenigsten einspringen.

Sie sehen, dass derjenige, der einen Auftrag an Schwarzarbeiter vergibt, auch das volle strafrechtliche Risiko zu tragen hat. Daraus können im Einzelfall ziemliche Sach- und Personenschäden erwachsen, deren Größenordnung in die Tausende gehen kann. Bei einem Verkehrsunfall, der z. B. auf die Inspektion eines Autobastlers zurückzuführen ist, könnte das eine teure Suppe werden. In den wenigsten Fällen dürfte es dann gelingen, die Schadenersatzansprüche gegenüber dem Schwarzarbeiter geltend zu machen, geschweige einen Geldanspruch einzutreiben.

Aber ganz abgesehen davon, bringt man als Auftraggeber auch den Schwarzarbeiter in eine gesetzwidrige Situation. Nach § 1 des Gesetzes zur Ordnung des Handwerks kann derjenige mit einem Bußgeld bis zu € 50.000,- belangt werden, der ein stehendes Gewerbe ausübt, ohne in der Handwerksrolle eingetragen zu sein. Weiter muss der Gewerbetreibende sein Gewerbe beim Ordnungsamt der Gemeinde angemeldet haben, das schreibt wiederum zwingend die Gewerbeverordnung vor.

Schließlich machen sich beide, sowohl der Auftraggeber als auch der Schwarzarbeiter als Auftragnehmer, nach dem Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit strafbar.

Man sollte es sich also gut überlegen, ob man wegen ein paar Euros, die man zu sparen glaubt, Risiken eingeht, deren Folgen man nie im Voraus übersehen kann.

Schwarzarbeit ist ein Volksübel, durch das dem Staat und den Sozialversicherungsträgern jährlich Milliarden in Form von entzogener Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen verlorengehen.

Jeder Einzelne von uns muss es sich gefallen lassen, dass er diese fehlenden Milliarden für die Schwarzarbeiter durch höhere Steuern und höhere Krankenkassen- und Rentenversicherungsbeiträge mit aufbringt.

Darum: Hände weg von Schwarzarbeit!